Wen die KI zitiert, wenn jemand nach einer Schweizer Firma fragt

Abstrakte Grafik: viele graue Quadrate in sehr unterschiedlicher Grösse, eines davon in Limette hervorgehoben, als Bild für die eigene Website als eine Quelle unter vielen.

Stell dir eine Firma vor, die auf ihrer Website vieles richtig macht. Jede Leistung hat eine eigene Seite, die Preise stehen sichtbar drauf, das Datum der letzten Überarbeitung ist frisch. Dann fragt jemand ChatGPT mit Websuche genau das, wofür diese Seiten gebaut sind. Unter der Antwort stehen Quellen. Die meisten davon gehören nicht der Firma: ein Verzeichnis, ein Branchenverband, ein Portal, die Website eines Wettbewerbers.

So sieht es in unseren Messungen aus. Von 300’764 Zitaten, die ChatGPT, Claude, Gemini und Perplexity zwischen dem 2. Juli und dem 4. Oktober 2026 angegeben haben, entfallen 4,9 Prozent auf die Websites der gemessenen Marken selber. Die übrigen 95,1 Prozent liegen woanders. Wer bei KI-Sichtbarkeit nur an die eigene Website denkt, arbeitet an rund einem Zwanzigstel des Bildes.

Ein Zitat heisst hier: eine Quelle, die der KI-Dienst zu seiner Antwort mitliefert. Bei ChatGPT und Gemini sind das die Links, mit denen er seine Antwort belegt, bei Claude und Perplexity zusätzlich die Treffer seiner Websuche, auch wenn er nicht jeden davon im Text verwendet.

Wie wir das messen

Wir betreiben mit ECHO ein eigenes Messsystem. Es stellt ChatGPT mit Websuche, Claude, Gemini und Perplexity regelmässig wiederkehrend dieselben Fragen, in ganzen Sätzen, so wie eine Kundin sie tippen würde. Jede Antwort speichert es mitsamt ihren Quellen.

Ausgewertet sind alle gültigen Antworten vom 2. Juli bis 4. Oktober 2026. Sie verteilen sich etwa gleichmässig auf die vier Dienste, das Bild hängt also nicht an einem einzelnen Anbieter. Testläufe und fehlgeschlagene Abfragen zählen nicht mit.

Bevor wir über fremde Quellen reden, rechnen wir die eigenen Websites der gemessenen Marken heraus. Sonst stünde in jeder Auswertung die Marke selber oben, was logisch ist und nichts erklärt. Bereinigt bleiben 286’162 Zitate über 14’383 Domains. Das ist die Basis für alles, was folgt. Zuletzt kamen im Schnitt mehrere tausend Zitate pro Tag dazu, deshalb steht bei jeder Zahl ein Datum.

Präzisiert am 12. Oktober 2026: Definition der Zitate je Dienst genauer beschrieben, die Zahlen bleiben unverändert.

Wen die KI zitiert

Sortiert man die 286’162 Zitate nach Domain, tauchen immer wieder dieselben Arten von Quellen auf. Eine Rangliste veröffentlichen wir nicht, warum, steht weiter unten. Die Grössenordnungen, Stand 4. Oktober 2026:

  • Verzeichnisse: local.ch kommt auf rund 2’000 Zitate, search.ch auf gut 1’600, sortlist.ch auf gut 500.
  • Wikipedia: die englischsprachige Ausgabe auf rund 2’000, die deutschsprachige auf gut 800.
  • Behörden: Seiten unter admin.ch zusammen auf gut 5’000, verteilt über mehrere Bundesstellen.
  • Branchenverbände, regionale Portale und Fachportale: Die stärksten liegen in derselben Grössenordnung wie local.ch. Namen nennen wir keine, weil sie Rückschlüsse auf die gemessenen Firmen erlauben würden.
  • Bewertungs- und Vergleichsportale: tripadvisor.com auf gut 1’000, comparis.ch auf knapp 600.
  • Video und Foren: youtube.com auf gut 600, reddit.com auf knapp 300. Reddit ist damit klein, rund ein Promille aller bereinigten Zitate.
  • Wettbewerber: Die Websites von Wettbewerbern der gemessenen Marken liegen in derselben Grössenordnung wie die grossen Portale. Wenn eine KI eine Antwort zusammenbaut, zitiert sie auch die Firma, die neben euch steht.

Die vorsichtige Formel dazu lautet: Verzeichnisse, Verbände, Portale und Behörden liegen vor den meisten Firmen-Websites. Nicht: Firmen kommen nicht vor. Einzelne Firmen-Websites, oft die von Wettbewerbern, liegen in derselben Grössenordnung.

Ungleich verteilt, aber ohne Handvoll Quellen

Eine Untersuchung über vier KI-Dienste und 45 Tage findet eine deutliche Ungleichverteilung: Ein kleiner Teil der Domains bekommt einen grossen Teil der Zitate. Das sehen wir auch. 3’530 der 14’383 Domains erscheinen genau ein einziges Mal in gut drei Monaten, während einzelne Domains auf ein paar tausend Zitate kommen.

Was es trotzdem nicht gibt, ist eine Handvoll Quellen, die alles abschöpft. Über die ganze Messung kommen die zehn meistzitierten Domains zusammen auf 6,3 Prozent der bereinigten Zitate, die meistzitierte einzelne auf gut ein Prozent. Schaut man nur auf die Fragen einer einzelnen gemessenen Marke, wird das Bild enger: Dort tragen die zehn wichtigsten Domains typischerweise rund ein Viertel der Zitate.

Dass die Gesamtliste so breit ist, erklären wir uns mit zwei Gründen. Unterschiedliche Märkte haben unterschiedliche Quellen. Die Quellenlisten der vier KI-Dienste überschneiden sich zudem nur zu einem kleinen Teil. Das ist unsere Deutung, nicht eine eigene Rechnung.

Für die Praxis heisst das: In eurem Markt gibt es eine überschaubare Gruppe wichtiger Quellen, aber im Nachbarmarkt ist es eine andere. Eine allgemeine Liste von zehn Websites, in die ihr unbedingt müsst, gibt es nicht. Welche Quellen in eurem Markt zählen, zeigt erst eine Messung mit euren eigenen Fragen.

Was das für eine Schweizer Firma heisst

Vier Punkte. Sie beschreiben, wo die KI nachliest. Eine Garantie, dass sie euch danach nennt, sind sie nicht.

Verzeichnisse: prüfen, was dort steht. local.ch und search.ch gehören zu den häufig zitierten Quellen. Stehen dort eure Adresse, eure Öffnungszeiten oder eure Leistungen falsch oder veraltet, liest die KI genau das. Ob ein bezahlter Zusatzeintrag etwas bringt, haben wir nicht gemessen.

Verbände: auffindbar sein. Branchenverbände liegen in unserer Messung teils in derselben Grössenordnung wie local.ch. Ob das in eurem Markt gilt, zeigt erst eine Messung. Wenn ihr Mitglied seid, prüft, ob ihr in der Mitgliederliste steht und ob die Angaben stimmen.

Portale: dort, wo über euren Markt geschrieben wird. In Vergleichs- und Fachportalen steht Material über euren Markt. Die KI-Dienste lesen es. Welche Portale zählen, unterscheidet sich von Markt zu Markt stark.

Eigene Seiten: wichtig, nur anders. 4,9 Prozent sind wenig und nicht null. Wenn eure Seite in der Trefferliste eines KI-Dienstes landet, also unter den Seiten, die er für seine Antwort vorab sucht, entscheiden laut einer kontrollierten Untersuchung drei Merkmale, die ihr beeinflussen könnt: die Passung zum Thema, sichtbare Preise und ein aktuelles Datum. Ein viertes, die Position in der Trefferliste, steuert von aussen niemand direkt. Die Untersuchung mit 252’000 Durchläufen über sechs Sprachmodelle ist an der Fachkonferenz SIGIR ’26 erschienen, ihre Autoren arbeiten bei einem Softwareanbieter. Die Gliederung in Listen oder Abschnitte hatte dort keinen Effekt.

Was hier bewusst fehlt, ist strukturiertes Markup (Schema), also maschinenlesbare Zusatzangaben im Seitencode. Als Hebel für KI-Zitate ist es nicht belegt. Für die klassische Google-Suche bleibt es sinnvoll.

Was wir nicht wissen

Drei Lücken, offengelegt, bevor sie jemand findet.

Wir haben bisher ausschliesslich auf Deutsch gemessen, kein einziger Lauf auf Französisch oder Italienisch. Für ein mehrsprachiges Land ist das eine echte Lücke. Alles, was wir zur Wirkung der Sprache sagen könnten, wäre übertragen und nicht gemessen.

Für die Reihenfolge einzelner Domains haben wir keine Schwankungsbreite berechnet. Die Zahlen oben sind Grössenordnungen, keine Plätze. Dass die genannten Arten von Quellen über die ganze Messreihe weit oben liegen, sehen wir. Ob eine bestimmte Domain vor einer anderen steht, wissen wir nicht mit der Sicherheit, die eine Rangliste behaupten würde. Darum steht hier keine.

Und die Mischung hängt an den Märkten, die wir messen. Mit anderen Märkten sähe die Liste anders aus. Das ist keine repräsentative Studie über die Schweizer Wirtschaft, sondern die Auswertung realer Messreihen.

Eine Zahl aus der Forschung gehört hier dazu: 53 Prozent der Domains, die Google in seinen KI-Übersichten (AI Overviews) zitiert, stehen nicht unter den ersten zehn organischen Treffern. Der Wert stammt von Kirsten et al. 2026 und ist in einer Übersichtsarbeit zur Optimierung für KI-Antworten zitiert, also zu Generative Engine Optimization (GEO). Eure Google-Position, also das Ergebnis klassischer Suchmaschinenoptimierung, sagt damit nur begrenzt etwas darüber, ob eine KI euch als Quelle nimmt. Wie oft Google in der Schweiz überhaupt KI-Übersichten zeigt, dazu haben wir keine belastbare Zahl.

Häufige Fragen

Zitiert die KI meine eigene Website überhaupt?

Ja, aber selten. In unseren Messungen vom 2. Juli bis 4. Oktober 2026 entfallen 4,9 Prozent aller Zitate von ChatGPT, Claude, Gemini und Perplexity auf die Websites der gemessenen Marken. Die eigene Seite bleibt der Ort, an dem Preise und ein aktuelles Datum stehen müssen, sie ersetzt die fremden Quellen aber nicht.

Welche Quellen nennen KI-Dienste in der Schweiz am häufigsten?

In unserer Messung vor allem Verzeichnisse wie local.ch und search.ch, Wikipedia, Seiten der Bundesverwaltung unter admin.ch, Branchenverbände, regionale Portale, Vergleichs- und Bewertungsportale sowie die Websites von Wettbewerbern. Eine Rangliste geben wir bewusst nicht an, weil wir für die Reihenfolge einzelner Domains keine Schwankungsbreite berechnet haben. Grundlage sind 286’162 Zitate über 14’383 Domains, Stand 4. Oktober 2026.

Reicht ein Eintrag bei local.ch und search.ch?

Beide gehören bei uns zu den häufig zitierten Domains. Allein tragen sie einen Markt nicht: Verbände, Fachportale und Wettbewerber liegen in derselben Grössenordnung. Welche davon zählen, unterscheidet sich von Markt zu Markt. Ob ein bezahlter Zusatzeintrag die Chance erhöht, genannt zu werden, haben wir nicht gemessen.

Wie misst ECHO, welche Quellen eine KI angibt?

ECHO stellt ChatGPT mit Websuche, Claude, Gemini und Perplexity dieselben Fragen und speichert jede Antwort mit den angegebenen Quellen, bei Claude und Perplexity einschliesslich der Treffer ihrer Websuche. Gezählt werden nur gültige Antworten ohne Testläufe und fehlgeschlagene Abfragen, vom 2. Juli bis 4. Oktober 2026. Für die Quellenauswertung rechnen wir die eigenen Websites der gemessenen Marken heraus. Googles KI-Übersichten sind in dieser Auswertung nicht enthalten. Gemessen wird bisher nur auf Deutsch.

Konzentrieren sich KI-Zitate auf wenige Websites?

Ungleich verteilt sind sie. Eine Untersuchung über vier KI-Dienste und 45 Tage misst einen Gini-Koeffizienten von rund 0,715 (Schulte et al. 2026, arXiv 2604.07585), unsere Rechnung über alle zitierten Domains vom 2. Juli bis 4. Oktober 2026 ergibt 0,78. Der Gini-Koeffizient misst Ungleichverteilung zwischen 0 (alles gleich verteilt) und 1 (alles bei einer Quelle). Trotzdem dominiert keine Handvoll Domains: Die zehn meistzitierten kommen bei uns auf 6,3 Prozent der 286’162 Zitate, die nicht auf die Websites der gemessenen Marken zeigen.

Zum Schluss

Wenn ihr wissen wollt, welche Quellen die KI in eurem Markt angibt, braucht es eine Messung mit euren eigenen Fragen, so wie eure Kundschaft sie stellt. Genau dafür haben wir ECHO gebaut. Wie wir rechnen und wo unsere Zahlen Grenzen haben, steht auf echo-cockpit.com/de/zahlen. Eine Erstmessung lässt sich auf echo-cockpit.com/de anfragen.

Wer den Anfang lieber ohne Zahlen liest: Was sich für Content-Marketing und SEO durch KI-Antworten verschiebt, steht in unserem Beitrag GEO statt Ranking.

Quellen

  1. Schulte, Bleeker, Kaufmann: Don’t Measure Once, 2026. Studie zu Stabilität und Konzentration von Quellenlisten über vier KI-Dienste, 45 Tage und vier Branchen. Der Erstautor führt einen Schweizer Anbieter von GEO-Software, die Daten stammen aus dessen Messungen. https://arxiv.org/abs/2604.07585
  2. Vishwakarma et al.: What Gets Cited. Kontrollierte Studie zu Zitationsmerkmalen, 252’000 Durchläufe, SIGIR ’26, Autoren bei einem Softwareanbieter, 2026. https://arxiv.org/abs/2605.25517
  3. Martinez: Übersichtsarbeit zu Generative Engine Optimization 2023 bis 2026, 45 Studien, 2026. Enthält den Wert von Kirsten et al. 2026 zu Googles KI-Übersichten. https://arxiv.org/abs/2607.14035
  4. Eigene Zahlen: ECHO-Messdatenbank, gültige Antworten vom 2. Juli bis 4. Oktober 2026, Stand 4. Oktober 2026.